Nieren in den Norden und Entrümpeln im Kopf

 

Tag 9 | Maurizio Emer und Angelika Ennemoser

Langsam werden wir ungeduldig. Hinter der nächsten Kurve muss es doch sein. Oder nicht? Wir sitzen im Bus in Richtung Fondo und schrauben uns immer höher. Weinberge und Waldgebiete wechseln sich ab. Im Bus kennen sich alle untereinander und unterhalten sich mit dem Busfahrer als wären sie alte Freunde. Die nächste Haltestelle ist endlich unsere. Angelika wartet hier bereits auf uns und bringt uns mit ihrem Geländewagen zu einem Haus im Wald. Bestimmt nicht das sparsamste Modell, ist der erste Gedanke, der zweite, dass die Bedingungen am Berg auch andere sind als in der Stadt.

Als wir aussteigen werden wir von Romeo begrüßt. Das ist kein unglücklich Verliebter, sondern der Hund von Angelika und Maurizio, die den letzen Stop unserer Tour darstellen. Angelika ist Anwältin in Meran und schafft es nicht jeden Tag zu ihrem Haus im Wald. „Als Anwältin habe ich einen Job mit sehr hohem Zeitdruck. Aber wenn ich hier rauskomme, dann bin ich immer sofort sehr entspannt, selbst wenn ich mir etwas Arbeit mitnehme.“ Das kann man sich gut vorstellen, denn abgesehen von Vogelgezwitscher und Windgeräuschen hört man hier fast nichts. An die Ruhe und den düsteren Wald muss man sich ein wenig gewöhnen.

 


Stunden hat Maurizio früher manchmal gearbeitet.

Maurizio fühlt sich hier wohl. Im Gegensatz zu Angelika verbringt er die meiste Zeit in Tret. Früher hat er sehr viel gearbeitet. Freiberuflich als Bauplaner. Das hat lange Zeit Spaß gemacht, aber dann wurde es immer stressiger. Die angeschlagene Gesundheit hat das Fass dann zum Überlaufen gebracht: Raus aus der Stadt. Wir sind fasziniert vom Kontrast der beiden Lebensstile. Sie, die vielarbeitende Anwältin in der Stadt, er, der Aussteiger auf dem Land.

 


Kräuter und andere Pflanzen haben wir mit Maurizio gesetzt.


Den eigenen Salat können wir kosten: Fein!



Auf lange Sicht gesehen möchten Angelika und Maurizio hier oben autark leben. Irgendwo muss man beginnen, deswegen macht Maurizio eine Art Testlauf für das Leben hier oben. Angelikas Job ermöglicht dieses Experiment. Für gewisse Dinge ist Geld nötig. Hier oben allerdings schon weniger als unten in der Stadt, auch weil Maurizio es liebt, mit den Nachbarn zu tauschen: Ein Klassiker ist z.B. Brennholz spalten gegen Einladung zum Abendessen. Beide kaufen außerdem sehr selten neue Kleidung. Maurizio ist überzeugt:

„Der Reichtum liegt nicht auf der Bank, sondern im Leben.“



Wo pflanzen wir unsere Kräuter?

Der Garten ist nach dem Prinzip des Medizinrads angelegt.

„Eine Zeit lang war ich sehr unzufrieden. Ich habe damals ein Buch entdeckt, in dem es ums Entrümpeln ging und damit habe ich dann angefangen.” – Angelika

Maurizio und Angelika sind beide Feng-Shui-Berater und beschäftigen sich mit positiven Energien. Hier geht es auch darum, überflüssige, negative Energien loszuwerden. Es gibt verschiedene Wege, z.B. soll das Räuchern mit bestimmten Kräutern den Wohnraum reinigen. Die Kräuter hierfür werden von Maurizio im eigenen Garten angebaut werden, in dem schon die ersten Gemüsepflanze für den Eigenbedarf wachsen.


Dann wird gepflanzt...

Maurizio erzählt uns viel über die verschiedenen Bedeutungen von Kräutern in der indianischen Kultur. Manche Pflanzen haben heilende und reinigende und andere spirituelle Wirkungen. Manches davon können wir uns gut vorstellen. Anderes klingt für uns ziemlich fern. Maurizio macht seinen eigenen Kräutertee, aber auch Räuchermischungen, die er auf Messen verkauft.

Langsam bekommen wir Hunger. Maurizio und Angelika orientieren sich bei der Ernährung an Hildegard von Bingen: Es gibt viel grünen Salat, Dinkelbrot, einmal im Jahr wird gefastet. Heute zum Glück nicht. Wir besuchen einen Freund und Klienten von Angelika. Er hat ein kleines Restaurant in einer ehemaligen Burg. Am Ende sind wir die einzigen Gäste und unterhalten uns bei leckeren Gerichten über spirituelle Reduktion. Maurizio hat Pläne für einen interreligiösen Meditationsort.


„Mir gefällt es, verschiedene Sachen zu verbinden. Beispielsweise bin ich eigentlich katholisch, aber mich interessieren auch andere Religionen wie Buddhismus und Hinduismus.“

Nach dem Essen fallen wir müde ins Bett. Es ist so ruhig, dass wir tief schlafen. Bevor wir am nächsten Morgen wieder nach Bozen aufbrechen, erwartet uns noch ein ungewohntes Erlebnis: Eine Klangschalenmeditation. Als wir zurück in Bozen sind fällt uns auf, dass uns das Leben hier auf einmal hektisch und unruhig vorkommt.

Und jetzt du:

Kräutertee.

Pflanze Kräuter an, die du trocknen und
zu einem Tee verarbeiten kannst.

Teepflanzen für Zuhause

Tausch mal was!

Äpfel gegen Zeitung, Fahrdienst gegen Frühstück. Tausch mal was mit deinen Nachbarn. Werde kreativ. Du kannst auch über einen organisierten Tauschkreis Gleichgesinnte finden.

Was ist ein Tauschkreis?

Mal nichts essen.

Mache eine Fastenzeit und gönne so Körper und Geist eine Phase der Regeneration und Erholung.

So geht fasten

Angelika Ennemoser
und Maurizio Emer

47 Jahre, Rechtsanwältin und 51 Jahre, Bauzeichner.
Wohnen in Tret im Nonstal.


Haben den Traum, eines Tages autark in ihrem Haus im Wald zu leben. Spiritualität spielt eine große Rolle. Beide sind ausgebildete Feng-Shui-Berater.