Brotzeit-Dinner mit minus 300 Freunden

 

Tag 6 | Joshua Petelka

Wie macht man eigentlich anständiges Heu? Unser Tag beginnt mit einer Lektion in „Grassland Management“. Wir laufen heute in Wanderschuhen durch die Uni Bozen. Die werden wir später noch brauchen. Wir sind zurück in unserem Territorium, nur nicht als DesignstudentInnen.

Heute begleiten wir Joshua Petelka, braunrote Strubbelhaare, sportlich. Der 27-jährige studiert Environmental Management of Mountain Areas, einen interdisziplinären Umwelt-Master an der Uni Bozen.

Als Student mit begrenzten Mitteln zu leben ist nichts Besonderes. Die meisten leben sogar unterhalb der relativen Armutsgrenze, ohne das als problematisch zu empfinden. Aber er verzichtet auch auf Dinge, die sich die meisten unserer Generation nicht wegdenken können: Auf Smartphone, auf Facebook und eine Internetverbindung in der Wohnung. Eine Küche hat er daheim auch nicht und außerdem eher wenige Dinge.


Dürfen hier bleiben: Sportgeräte und Müsli.



Freunde sind besser als 300 Bekannte.

Zahnbürste aus Bambus.

Wasserbett für Minimalisten: Wasserkästenkonstruktion.


Handtuch als Laptoptasche geht auch.

„Ich bin generell ein ordentlicher Mensch und fühle mich wohler mit wenigen Dingen um mich.“ Das meiste in der Wohnung hat irgendwas mit Bergsport zu tun oder mit Müsli. „Müsli spielt eine elementare Rolle in meinem Leben.“, schmunzelt der Freiburger. Den Tisch hat er sich selbst gebaut – vorm Studium hat er Zimmermann gelernt.

„Luxusgüter sind immer auch Verpflichtung. Wenn es Stress verursacht den Lebensstandard aufrecht zu erhalten, weil er zu hoch ist, dann ist etwas falsch, dann muss man etwas ändern.“

Vielen jungen Leuten sind Erlebnisse mittlerweile wichtiger als Besitztümer. So weit so wunderbar. Aber vielleicht ist das ständige „Überalldabeiseinwollen”, sich bespielen zu lassen von Social Media, eine neue Form des Konsums, des „Nichtgenughabenkönnens”?



Einmal am Tag warm reicht: Das Kochen übernimmt die Mensa.


„Müsli spielt eine elementare Rolle in meinem Leben.“


„Das klingt vielleicht komisch, aber auch zu viele soziale Kontakte können belasten. Da bin ich auch minimalistisch, allein dadurch dass ich nicht bei Facebook bin. Ich versuche Vieles wegzulassen, um mehr Zeit zu haben für alles, was mir wichtig ist.“
Das klingt ziemlich simpel. Aber auch nach Konsequenz und der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die viele nicht haben.

„Mir ist es wichtig, im Hier und Jetzt mit Menschen, die für mich besonders sind, eine gute Zeit zu verbringen. Bergsteigen, Klettern, Wandern und Fahrradfahren. Draußen sein.“

Am Nachmittag fahren wir mit dem kleinen Studiengang nach Jenesien, einem Dorf, das auf über 1000 m liegt und schauen uns ein Beispiel für Bio-Engineering an. Eine Konstruktion aus gestapelten Baumstämmen, Erde und jungen Baumsetzlingen wurde hier vor einigen Jahren zur Befestigung eines steilen Hangs eingesetzt. Die alten Baumstämme verrotten wie gewollt, während die jungen Pflanzen wachsen und Wurzeln ausbilden. Die Strategie, so den Hang vor Errosion zu schützen, hat funktioniert.





Luftiges Lernen: Seminare brauchen keine 4 Wände.


Kurvenreich gehts zurück zur Uni. Die Landschaft sieht ganz anders aus, wenn man mehr über sie weiß. Kleine Randbemerkung über die Desillusion des Tages: Übermäßig viel Löwenzahn auf der Weide sind ein Zeichen von Überdüngung. Achso, schade. Sieht doch so schön aus.


Und jetzt du:

Facebook Auszeit.

Wenn Facebook dich stresst oder nervt, probiere eine Facebook-freie Woche oder Monat. Du kannst dein Profil zeitweise deaktivieren oder komplett löschen

Jetzt deaktivieren

Klingel mal.

Schau spontan bei einem Freund oder Nachbarn vorbei, einfach so.

Jetzt Klingeln

Offline-Zeit.

Mache einen internetfreien Tag. Router ausschalten kann sehr wirksam sein, mal das zu tun, wozu man denkt keine Zeit zu haben: Lesen, quatschen, nichts tun.

Fernseher adé.

Falls du findest, dass du zu viel fernsiehst, verkaufe oder verschenke deinen Fernseher. Oder verbanne ihn für eine Weile auf den Dachboden oder Keller.

Weg mit der Glotze

Joshua Petelka

27 Jahre, Masterstudent Environmental Management of Mountain Areas. Wohnt in Bozen.


Lebt ohne Facebook, Smartphone und verzichtet zuhause auf Internet. Minimalist und Bergfan. Klingelt spontan bei Freunden an der Tür. Sein Hauptnahrungsmittel ist Müsli. Schläft gerne draußen.