Heute pflanze ich Kartoffeln und tausche einen Fisch

 

Tag 8 | Magdalena und Friedl Pobitzer

Die Luft riecht nach Feuerholz und warmer Erde. Wir graben uns durch einen Kartoffelacker im Vinschgau, bedacht nur das Unkraut und nicht die jungen Kartoffelpflanzen zu entwurzeln. Drumherum kleine Felder, weiter hinten weiße Gipfel. Immer mal wieder hochschauen. Doch – ist alles echt.

Friedl sammelt uns morgens von der Vinschgaubahn ein. Sympathischer Mann mit Bart, Mitte 60, in kariertem Hemd und Jeans. Auf der Fahrt zeigt er uns die Felder mit dem Dinkel, schwarzen Emmer und die Pala-Birnen. Auf dem Hof wartet schon Magdalena, seine Frau, lebendig, braungebrannt und strahlend.

Rein in die Gäste-Pantoffeln und an den Mittagstisch: Es gibt selbst­gemachte Ravioli. Das alte steinerne Bauernhaus erzählt die ­Geschichte mehrerer Generationen. Antike Möbel, viel unbehandeltes Holz und weiß gestrichene Wände, runde Türbögen. Schaukelstuhl, Kamin. An den Wänden ein paar Dinge aus vergangen Zeiten. Es ist ordentlich und gemütlich, ein Wohlfühl-Ort. Magdalena und Friedl sind routinierte Gastgeber: Jeden Sommer kommen Wwoofer aus aller Welt und helfen gegen Kost und Logis auf dem Hof.





Guck mal wer schon alles hier war: Wir sind nicht die Ersten!

Auf die Stube ist Magdalena sehr stolz. Zu Recht! Finden wir.


Magdalena ist pensionierte Grundschullehrerin, Friedl hat früher bei der Bahn gearbeitet. Jetzt ist wieder mehr Zeit für die Arbeit auf dem Hof. Die Felder befinden sich immer schon in Famlienbesitz. Was sie anders machen, weglassen? Nichts besonderes eigentlich. Es ist ja eigentlich schon immer so gewesen. „Früher gab es nur bio.“ meint Friedl verschmitzt. „Dann kamen die chemischen Dünger, auch bei uns eine Zeit lang. Aber davon sind wir schon lange wieder weg. Wir haben jetzt bestimmt seit 25 Jahren nicht mehr chemisch gedüngt.“

Pestizide sind ein großes Thema hier. Überhaupt ist Mals sehr progressiv in vielen Dingen. Per Volksentscheid  hat sich der Ort 2014 für ein pestizidfreies Mals entschieden. Der Gemeinderat hat entsprechende Regelungen verabschiedet. Doch jetzt wurde der Volksentscheid für ungültig erklärt.





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Mähdrescher gehört den Pobitzers. Sie teilen ihn mit 2 anderen Landwirten.


„Überhaupt ist Mals sehr progressiv in manchen Dingen.” – Friedl


„Es ist ja eigentlich schon immer so gewesen: Früher gab es nur Bio.“

Dann fällt ihnen noch etwas ein. „Wir kaufen fast nichts Neues. Weder Kleidung noch Arbeitsmaschinen. Unsere Zeitungs-Abos haben wir abbestellt. Es gibt ja auch noch die Bibliothek. Und Friedl nutzt ganz gern die offene Bücherkiste. Fast das ganze Jahr versorgen wir uns selbst. Getreide, Obst, Gemüse stellen wir selbst her. Wir produzieren unsere eigene Pasta, kochen Marmalade ein und machen eingelegtes Gemüse. Eier, Milch, etwas Fleisch ertauschen wir im Ort.

„Getauscht wurde im Dorf immer schon, aber es gibt jetzt seit ein paar Jahren den Tauschring, da machen wir auch mit.“ – Magdalena

Heute bringt jemand frische Forellen vorbei, im Gegenzug gibts Mehl. Ein Selbstversorgerhof, wie der der Pobitzers braucht Maschinen, erstaunlich viele sogar. „Den Traktor ­haben wir geliehen, unseren Mähdrescher teilen wir mit zwei anderen.“ ­Sharing Economy Farmer‘s-Style.

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der Malser stimmten für das Pestizidverbot.




Das nehm ich mit: Dinkelmehl.


Abends gibt es Magdalenas Mus, das ist der Hit bei den Wwoofern. Eine Art Grießbrei, mit eigenem Dinkel. Das Beste an dem Essen: Alle löffeln aus einer Pfanne. Die ganze Küche duftet nach Zimt und Kindheit.


Alle löffeln aus einer Pfanne. Die ganze Küche duftet nach Zimt und Kindheit.

Mus machen

Wir fallen in zwei weiche Schneewittchen-Betten, den Kopf voller Eindrücke und Gedanken. Wie so oft ist der Tag vorbei, als wir gerade richtig angekommen sind. Vielleicht haben wir doch zu viele Besuche in die kurze Zeit gepackt? Less Please und so. Wer weiß, vielleicht kommen wir mal mit mehr Zeit zum wwoofen wieder.

Wer hätte gedacht: Unkrautjäten macht auch den Kopf frei. Viele zukunftsfähige Strategien sind gar nichts neues – wir müssen sie nur wiederfinden.


Und jetzt du:

Balkongemüse.

Pflanz deine eigenen Kartoffeln, Zucchini oder Tomaten im Garten an. Wenn du ­keinen hast, aber einen Balkon, kannst du das Gemüse auch in Töpfe setzen.

Lospflanzen

Bücherbox.

Bücher wollen gelesen werden. Warum also nicht Ausgelesenes gegen neuen Lesestoff tauschen?

Box in der Nähe

Second Hand Chic.

Kaufe Kleidung gebraucht. Das ist günstig, umweltfreundlich und garantiert einzigartig. Fündig wirst du auf Flohmärkten, in Secondhandläden oder online.

Online-Bummel

Lust auf Ackern?

Wwoofing gibt es weltweit. Du hilfst ein paar Stunden täglich auf einem Biobetrieb und bekommt dafür Kost und Logis.

Einen Hof finden

Magdalena und Friedl Pobitzer

58 und 65 Jahre. Pensionierte Lehrerin und ehemaliger Bahnangestellter. Wohnen in Mals.


Bauen einfach alles selbst an. Was dann noch fehlt, wird getauscht. Es gibt immer eine offene Tür für Freunde, Geflüchtete oder Wwoofer – und meistens gibts auch eine Leckerei aus der eigenen Produktion.