Die Verpackung der Zukunft ist gar keine

Tag 3 | Zanotti-Lobis

Wir stehen vor einer Wand aus bunten Verpackungen: Flaschen, Tüten und Beutel aus Plastik. Überall grelle Farben und Werbeversprechen auf glänzenden Folien, bis an die Decke gestapelt.

„Man sieht nur Plastik. Gar keine Lebensmittel mehr. Der Anblick hat mich traurig gemacht und geärgert.“

Das war ein Schlüsselmoment für Maria Lobis, Hebamme, und Stefan Zanotti, Getränke-Unternehmer. „Was uns ärgert ist, dass man einfach keine Wahl hat als Kunde.“Anstatt sich dem Verpackungs-Frust hinzugeben, plant das Paar einfach selbst den ersten verpackungsarmen Supermarkt in Bozen. Novo wird er heißen.

Mit Begeisterung erzählen sie uns, dass Sortiment und Lieferanten weitestgehend stehen, was noch fehlt ist eine Lokalität. Bei „Novo“ werden Lebensmittel als lose Ware erhältlich sein, die die Kunden in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen können. Auch einen Non-Food Bereich wird es geben. Beispielsweise schadstofffreie Babyflaschen und ökologisch abbaubare Putz-Schwämme. So mancher Produzent wird individuell für das Geschäft eine verpackungsarme oder -freie Lieferung ermöglichen. Maria und Stefan betreten mit ihrer Vision Neuland in Südtirol. In Großstädten wie Berlin, München oder Wien gibt es solche Läden bereits.


Jahre bräuchten Plastikwindeln bis sie verrottet sind.


Gute Miene zum bösen Spiel.

Gemeinsam schieben wir uns durch die Regalreihen. „Wir kaufen mittlerweile kaum noch hier ein. Vieles holen wir auf dem Bauernmarkt oder im Bioladen, aber auch da ist noch das meiste verpackt. Leider kaufen wir noch längst nicht alles verpackungsfrei, aber das ist so für uns auch noch gar nicht praktikabel. Wenn es Produkte im Glas gibt, kaufe ich sie natürlich im Glas.“

Der zweijährige Lenny wird unruhig weil, er Hunger hat. Wie gut, dass die Muttermilch, ganz plastikfrei, nicht weit ist. „Ein Kind, das älter als ein Jahr ist, in der Öffentlichkeit zu stillen, damit  kommen viele Leute nicht mehr klar. Als erwachsener Mensch Kuhmilch zu trinken finden die meisten dagegen ganz normal.“

Ohne Verpackung schmeckt's auch besser, beweist Lenny.

Wir stehen vorm Spielzeugregal. Es riecht neu, aber auf eine ungesunde Art. „So Mädels, jetzt findet mal was, das nicht aus Plastik ist.“ Ein frustrierendes Unterfangen. Das einzige Teil, das nicht aus Plastik ist, ist der Holzstiel einer Plastikschaufel.

„Wir haben zwei kleine Kinder, da ist man natürlich doppelt sensibilisiert, was Themen wie Schadstoffe und Nachhaltigkeit angeht. Einmal wegen der Kinder selbst, aber auch für zukünftige Generationen.“ meint Maria. Es ist der Wahnsinn, was an Zusatzstoffen, Aromen und billigen Füllstoffen in vielen Produkten steckt. Die selbstständige Hebamme mit Zusatzqualifikation in Naturheilkunde und Homöopathie kennt sich mit gesunder Ernährung aus. Zur Zeit macht sie noch eine Ausbildung zur Biofachberaterin. Stefan bringt unternehmerisches Know-How mit: Seit 2010 betreibt er mit seinem Geschäftspartner einen kleinen Getränke-Betrieb für natürlichen Hugo und Veneziano.

Wir bezahlen den Einkauf und lassen ein wenig klüger und erleichtert die Reizüberflutung hinter uns. Per Auto geht es rauf auf den Ritten, Bozens Hausberg, wo die junge Familie wohnt. Es ist Mittagszeit. Jede Menge Gemüse wird geschnippelt, gebraten oder püriert. Dass gutes und gesundes Essen hier einen hohen Stellenwert hat, dürfen wir zum Glück ganz praktisch miterleben. Es gibt einen grünen Smoothie der wunderbar mild-fruchtig und gar nicht so sehr nach Blatt schmeckt. Als Vorspeise bekommen wir Crostinies mit gebratenen Pilzen und einer Creme aus Mandelmus. Jetzt kommt die 4-jährige Zoe heim. Eine befreundete Mutter hat sie gemeinsam mit ihren Kindern vom Kindergarten abgeholt. Wir Essen im Garten: Buchweizen-Bandnudeln mit selbstgemachtem Pesto aus grünem Spargel und Basilikum. Es schmeckt großartig. In der Familie wird immer frisch und hauptsächlich vegan gekocht.






Zwischen kochen, essen und tobende-Kids-im-Auge-behalten beantworten die beide uns souverän noch ein paar Fragen.
„Ja, zeitlich ist es schon mal knapp. Auch weil wir beide unsere Arbeit gern machen. Es ist uns aber wichtig unsere Zeit qualitativ gut zu verbringen und uns und den Kindern gegenüber aufmerksam zu sein.“
„Ruhe und Gelassenheit sind mir wichtig“, sagt Maria. „Das ist teils gar nicht so leicht, weil ich als Hebamme auch Bereitschaftsdienst habe.“

Wir sind gespannt das nächste Mal gemeinsam einzukaufen. Und zwar plastikfrei im Novo!

Und jetzt du:

Keinen Müll mitkaufen.

Wenn du in einer Großstadt bist, besuche einen verpackungsfreien Supermarkt und sieh dir an, wie Einkaufen ohne Müll funktioniert.

Hier gibt es solche Läden

Nimm es lose.

Auch auf dem Markt gibts viele Lebensmittel unverpackt. Du kannst sie in wiederverwendbaren Behältern transportieren.

Gemüsenetz nähen

Brot im Beutel.

Auch Einweg-Papier brauchen viel Energie und Ressourcen.
Bring zum Bäcker eine saubere Stofftasche mit, die du immer
wieder verwenden kannst.

Stefan Zanotti, Maria Lobis,
Zoe und Lenny

Stefan, 40 Jahre, betreibt eine Getränkefirma, Maria, 34 Jahre, ist Hebamme. Wohnen auf dem Ritten in Bozen.


Planen Bozens ersten unverpackt-Laden. Entlarven jede Zutatenliste im Supermarkt und kennen für jedes Produkt eine nachhaltige Alternative.